Geschichtliches der Kirchgemeinde Oberriet

Kirchengeschichte

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörte Oberriet zur Kirchgemeinde Montlingen. Zu dieser gehörten auch Mäder, Kriessern, Kobelwald mit Freienbach und Hard.

Im Jahre 1806 kam der Wunsch nach einer eigenen Kirche auf. Montlingen wollte Oberriet aber nicht gern abgeben, denn die Oberrietner brachten Geld. Nach einem langen Streit trennte sich Oberriet jedoch im Frühling 1808 vollständig von der Kirchgemeinde Montlingen. Moos und Rehag gehörte zur selbstständigen Pfarrei Oberriet, aber Kobelwald blieb bei Montlingen.

Als Bauplatz für die neue Kirche wählte man die sogenannte "Schulhofstatt". Im März 1809 wurde mit dem Aushub begonnen. Die Arbeiter stiessen auf sehr schlechten Baugrund. Man musste unzählige Pfähle in den Boden schlagen. Die Gemeinde Altenstadt  bei Feldkirch lieferte gratis alle Baumstämme. Die Steine holte man von der zerstörten Burg Blatten.
 

Das Ziel war, eine Kirche für 800 Gottesdienstbesucher zu bauen. Der Pfarrer von Montlingen hatte die Oberaufsicht. Die leitenden Bauleute waren aus Götzis und aus Rankweil. Der Kirchenbau stand unter dem altbewährten Motto: "Hilf dir selbst!". Alle beteiligten sich am Bau. Mit Ausnahme der erforderlichen Fachleute leisteten alle Fronarbeit. Wer die erforderlichen Frondienste nicht leistete, musste eine Barentschädigung bezahlen. Pro Tag arbeiteten ca. 40 Mann mit zeitweise bis zu 80 Fuhrwerken.  

Die Aufhängedrähte halten die Decke oben. Eine Studie hat jedoch bewiesen, dass die Decke auch ohne die Aufhängung halten würde. Mit der Aufhängung ist es jedoch sicherer.

Der Dachstuhl von oben gesehen

 

  Bereits an Jakobi des gleichen Jahres (26. Juli) stand die Kirche unter Dach. Der Innenausbau fehlte jedoch noch.

Die St. Wolfgangskapelle, die zwischen der heutigen Pfarrkirche und der Hauptstrasse stand, wurde nun nicht mehr gebraucht und abgebrochen. Die beiden hochverehrten Patrone St. Margaritha und St. Wolfgang wurden von der neuen Kirche übernommen.

Am Anfang hatte die Kirche eine flache Holzdecke. Die Ausstattung schritt nur langsam voran, denn es fehlte an Geld. Was sich irgendwie aus der Wolfganskapelle verwenden liess, wurde übernommen. Der Rest wurde von Zeit zu Zeit angeschafft. Kurz nach 1819 verpflichtete sich ein Walliser zur Herstellung einer "schönen, neuen und guten Orgel". Diese stand bis zur Renovation 1906 im Dienst. Es dauerte über 20 Jahre, bis die Kirche die zur würdigen Feier des Gottesdienstes notwendige Ausstattung erhielt. Die Benedizierung fand am 29. August 1819 statt. Der Friedhof war dort, wo früher die Wolfgangskapelle gestanden war. Erst 1882 wurde der neue Friedhof auf dem heutigen Gelände eingeweiht.

Das ist eine von 7 Kirchenglocke. Es ist die grösste Glocke und sie wiegt 28 Tonnen.

Die grösste Glocke (28 t)

 

1905 beschloss man eine gründliche Innen- und Aussenrenovation der Kirche. Man liess sich vom Grundsatz leiten: "Für unsere Kirche ist nur das Beste gut genug!" Mit Ausnahme der Kanzel wurde alles erneuert. Die Decke wurde gehoben und gewölbt, was einen vollständigen Umbau des Dachstuhls bedingte. Bei diesem Umbau stellten die einheimischen Fachleute ihr Können unter Beweis. Auch das alte ebene Vordach wurde abgerissen und eine neue, grosszügig gehaltene Vorhalle entstand. Ausserdem wurde eine neue Orgel eingebaut. Die Renovation dauerte von 1906 bis 1907.  

Der Innenraum der Kirche wie er heute aussieht.

Innenraum der Kirche heute

 

  1935 wurde eine elektrische Läutanlage installiert. 1959 wurde der Kirchturm umfassend restauriert. 1964 baute man eine elektrische Kirchenheizung und eine Lautsprecheranlage ein. Um sich der neuen liturgischen Messgestaltung anzupassen, wurde noch im selben Jahr ein Altar in der Chormitte aufgestellt. Ein Jahr später entstand die Priestergrabanlage im alten Friedhof. Ab 1966 stand der Kirchgemeinde Oberriet das neu erbaute Pfarrheim zur Verfügung.

1976-78 wurde die Kirche nochmals renoviert. Die Kommunionbänke wurden entfernt. 4 Jahre diskutierte man in der Kirchenverwaltung über die Decke. Sollte man sie gewölbt lassen oder abreissen und wieder eine flache Decke machen? Die schöne gewölbte Decke wurde bis heute gelassen.

Dieses Uhrwerk bekommt alle 30 Sekunden einen Impuls. Die Glocke, die die Zeit schlägt ist mit einem Draht mit dem Uhrwerk verbunden.

Mechanisches Uhrwerk im Turm

 

Die Höhe des Kirchturmes beträgt 55 Meter. Die Kirche besitz 640 Sitzplätze. Das Uhrwerk im Turm ist jetzt schon um die 100 Jahre alt und mechanisch. In bestimmten Zeitintervallen kommt ein Impuls per Funk. Es hat 6 Glocken plus das kleine Taufglöckchen. Die grösste Glocke hat ein Gewicht von 28 Tonnen. Solch eine Glocke hat eine Lebensdauer von 500 bis 600 Jahren. In der Schweiz existiert noch eine einzige Glockengiesserei, die froh ist, wenn sie einmal pro Jahr einen Satz Kirchenglocken verkauft. In der heutigen Pfarrkirche Oberriet ist einzig die Kanzel noch aus der Original-Bauzeit.  

Der Turm ist 55 Meter hoch. Auf Anfrage kann man ihn besichtigen. Bitte beim Mesmer melden.

Der Kirchturm heute

 

Quelle: "Aus der Kirchengeschichte von Oberriet" von Hedwig Loher, herausgegeben 1969.

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Kirchenpatronin: St. Margaritha (Marina) von Antiochien

Margaritha - in der Ostkirche ist Marina der gebräuchliche Name - ist eine legendäre Märtyrerin. Sie soll aus Antiochia in Pisidien gestammt haben und Tochter eines heidnischen Priesters gewesen sein. Die christliche Amme erzog sie zum Glauben; der Vater verstiess seine Tochter, als er dies bemerkte und denunzierte sie beim Stadtpräfekten. Sie floh, wurde aber gefunden und vor Gericht gestellt; die Richter begehrten die hübschen Angeklagte, wurden aber von ihr abgewiesen und rächten sich umso grausamer. Margaritha wurde mit Fackeln angesengt und in siedendem Öl gekocht, aber sie blieb unverletzt. Das Volk war von diesen Wundern dermaßen beeindruckt, dass die Menschen sich offen zum Christengott bekannten - dafür aber gleich geköpft wurden wie schließlich auch Margaritha.

Nach anderer Überlieferung sah der Stadtpräfekt Olybrius Margaritha Schafe hüten und begehrte die schöne christliche Jungfrau. Da sie sich standhaft weigerte, liess er sie mit eisernen Kämmen reissen, mit Fackeln brennen und ins Gefängnis werfen. Mehrfach erschien ihr der Versucher als ein riesiger Drache und wand sich um sie, um sie zu verschlingen, aber er wurde zerbrochen durch das das Kreuzzeichen, das Margaritha über ihn machte, sie entkam seinen Krallen unbeschädigt. Immer wieder wurde sie von den bei ihren Marter erlittenen Wunden wundersam gesund, das Volk erkannte dies, viele liessen sich daraufhin taufen. Schließlich zur Richtstätte geführt, betete sie vor ihrer Enthauptung für ihre Verfolger und alle, die in Zukunft ihr Gedächtnis anrufen würden, besonders die Frauen in Kindsnöten.

Margaritha ist eine der "Stimmen", von denen Jahrhunderte später Jeanne d'Arc geführt wurde. Mit Barbara und Katharina von Alexandria gehört sie zu den beliebten Nothelferinnen; zusammen mit Dorothea sind sie die vier "Virgines capitales", "die wichtigsten Jungfrauen". Für Bauern begann am Margaretentag früher die Ernte.

 

  Kirchenpatronin St. Margaretha mit dem Kreuz und dem Drachen

Die Statue der Heiligen Margaretha. Auch hier wird sie mit dem Kreuz und einem Drachen dargestellt.

 
  • Gedenktag: 20. Juli
  • Namensbedeutung: die Perle (griechisch)
  • Geboren: in Antiochia in Pisidien, heute Ruinen bei Yalvaç (Türkei)
  • Gestorben: Märtyrertod im Jahre 305
  • Attribute: kleines Kreuz, Drache, Fackel
  • Patronin der Bauern, Jungfrauen, Ammen, Mädchen, Gebärenden, unfruchtbaren Ehefrauen; der Fruchtbarkeit; bei schweren Geburten, Gesichtskrankheiten und Wunden; gegen Unfruchtbarkeit

 

   

Statue der Kirchenpatronin
 im Chorraum vorne links

 

 

Quelle: www.heiligenlexikon.de

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